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Geld macht Sinn-lich! - Ist Geld Sinn-los?
von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger Business Reframing® Institut Inc., Karlsruhe, Deutschland Tel.: +49-721-947 44 88, Fax: +49--721-947 44 89, Email: berger@business-reframing.de Redigierter Mitschnitt eines Vortrags auf dem Symposium im Rahmen der Paracelsus-Akademie am 1. Juni 2000 im Congress Center Villach, Österreich Tel. +43 - 4242 - 205 - 1612, Fax +43 - 4242 - 205 - 1690, Email: projektbuero@villach.at. Der Text ist veröffentlicht in: Paracelsus Akademie Villach (Hg.), "Auf der Suche nach Sinn." Symposiumsband, edition selene, Wien 2000, ISBN 3-85266-156-0, Seiten 29 - 48. Ich freue mich, meine sehr verehrten Damen und Herren, dass ich an einem so schönen Ort über ein so aufregendes Thema sprechen darf. Zunächst aber möchte ich Sie um etwas bitten. Nehmen Sie mir meinen Mut nicht übel: Ich habe noch nie zuvor über Geld gesprochen. Und dann hier gleich vor Ihnen - einem so großen und interessierten Publikum. Mein Freund Siegfried Hoffmann hat mich auf dieses Thema gestoßen. In der letzten Woche ist seine Asche in der Steiermark bestattet worden. Und heute ist er - für unsere Augen unsichtbar - bei uns hier im Saal und freut sich. Aber ich habe schon oft über Sinn gesprochen. Mit Business Reframing® ergießt sich ein ganzer Wasserfall von Sinn über die Unternehmen, mit denen wir arbeiten. Vorher werden die Mitarbeiter fast überall in immer kürzerer Zeit, unter immer größerem Druck, mit immer mehr Geld zu immer höherer Leistung angestachelt. Durch Business Reframing® erkennen dann plötzlich die meisten, dass sie tief im Herzen bei ihrer Arbeit etwas ganz anderes suchen: Ä Sie wollen geliebt und anerkannt werden.
Mit dem magnetischen Kraftfeld dieser Erkenntnis richten wir ein Unternehmen von innen her neu aus. Wir nennen das "artgerechte Menschenhaltung." Und dann geschehen fast immer Dinge, die zuvor noch als Wunder gegolten haben. Wenn Sie darüber mehr wissen wollen, können Sie im Foyer mein Buch dazu erwerben (Business Reframing® - Erfolg durch Resonanz, Gabler, ISBN 3-409-38895-8). Auch ist mein Partner Herr Dietmar Schrey aus Graz hier im Saal, der das Business Reframing® Institut in Österreich vertritt und Ihnen über die praktische Umsetzung Auskunft geben kann. Die Erde kann den Himmel spiegeln oder die Hölle, je nachdem, wie rein wir den Spiegel halten. Das gilt für jedes Unternehmen. Das gilt für jede Volkswirtschaft. Und das gilt für das Medium, das unsere wirtschaftlichen Aktivitäten - und nicht nur diese - antreibt: das Geld. Gebt mir einen festen Punkt, hat Archimedes vor zweieinhalb Jahrtausenden gesagt, und ich hebe die Erde aus ihren Angeln. Wenn wir den festen Punkt für die Synthese von Geld und Sinn auf diesem Symposium finden, können wir schon in der nächsten Woche damit beginnen. Seit es Geld gibt, ist die Verbindung von Geld und Sinn eine zentrale Frage jeder Kultur. So zentral, dass fast immer Mittel und Ziele verwechselt werden:
Und so hängt das, was wir bekommen immer von dem ab, was wir uns wünschen - wenn auch in den meisten Fällen unbewusst. Wir haben nun eine knappe Stunde Zeit für zwei Themen. In der ersten Halbzeit will ich über die Sinnlichkeit des Geldes sprechen. Und in der zweiten Halbzeit will ich versuchen die Frage zu beantworten, ob diese Sinnlichkeit sinnlos ist - oder vielleicht doch sinnvoll. Ich habe dabei nicht vor, Sie mit schöngeistigen Ergüssen zu ergötzen. Dazu ist der Sinn des Geldes viel zu dominant im Alltag von jedem von uns. Ich will Sie herausfordern: Ich will versuchen gemeinsam mit Ihnen die Frage nach dem Sinn des Geldes radikal - also bis zu seinen Wurzeln - zu Ende zu denken und zu einem konkreten Ergebnis zu kommen!
Geld macht Sinn-lich! Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles, meint Goethe (auch wenn er "Gold" sagt). Geld verdirbt den Charakter. textet eine deutsche Bank vor wenigen Tagen groß in einer Anzeigenserie und schreibt klein darunter: Blödsinn - ganz im Gegenteil: 3 % Zinsen für Sie auf unserem Tagesgeldkonto. Gold und Silber sind die Ursache aller Verbrechen, behauptet dagegen Pythagoras (und natürlich meint auch er nicht das Metall, sondern die Geldmünzen). Der Apostel Matthäus berichtet von einem solchen Fall, und weil heute Himmelfahrt ist, beginne ich mit seinem Beispiel: Da ging hin der Zwölf einer mit Namen Judas zu den Hohepriestern und sprach: "Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten." Und sie boten ihm dreißig Silberlinge. Und von dem an suchte er Gelegenheit, dass er ihn verriete. Für sein Honorar hätte Judas einen Sklaven kaufen können. Das war wohl der Marktpreis für Hochverrat. Wer von Ihnen hat noch nie für Geld seine Seele verraten? . . . . . Fast alle hier im Saal sind also die Nachkommen Judas' - und damit auch seine gemein-schaftlichen Erben. Stellen wir uns einmal vor, Judas hätte von seinem Lohn die kleinste Kupfermünze hinterlassen und auf der Bank von Bethlehem mit einem Zinssatz von 5 % langfristig angelegt. Diese Münze war ungefähr einen halben Cent wert. Und als seine Erben könnten wir das Guthaben heute unter uns aufteilen. Was meinen Sie, wie viel für jeden einzelnen hier im Saal herauskäme? Bei 5 % verdoppelt sich das Kapital alle vierzehn Jahre. Was das bedeutet, können Sie zu Hause nachrechnen: Im Jahre 296 hätten unsere Vorfahren gemeinsam ein Kilogramm Gold besessen (Feingold zum heutigen Rohstoffpreis - den Preis des Jahres 296 habe ich im Internet nicht gefunden). Im Jahre 1466 hätten die Zinseszinsen daraus eine massive Goldkugel von der Größe des Planeten Erde werden lassen. Im Jahre 1749 wären es eine Million Goldkugeln dieser Größe gewesen. Im Jahre 1890 eine Milliarde solcher Kugeln. In 1990 dann 134 Milliarden planetengroße Goldkugeln und vierzehn Jahre später - 2004 - wie immer das Doppelte: 268 Milliarden massive Feingold-Kugeln von der Größe der Erde. Das sind ungefähr eine halbe Milliarde Goldplaneten für jeden einzelnen hier im Saal. Die Geldvermehrung entspricht einer Exponentialkurve, die immer steiler ansteigt, um mit der Zeit fast senkrecht nach oben zu verlaufen. Vor zwei Wochen haben die Regierungschefs der Europäischen Union in Portugal beschlossen, dass in diesem Europa jetzt ein jährliches reales Wachstum von 3 % zu herrschen habe. Nur so sei die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. 3 % nicht von einer Kupfermünze, sondern vom Bruttosozialprodukt des größten Wirtschaftsraums der Welt. Sollte sich das verwirklichen lassen, würde sich unser Sozialprodukt in den nächsten 250 Jahren verzehntausendfachen. Ein Sozialhilfeempfänger würde dann fast 10 Millionen Euro kassieren - ohne Inflation, bei gleicher Kaufkraft wie heute und pro Monat. Doch freuen Sie sich nicht zu früh darauf, dann von der Sozialhilfe so königlich leben zu können: In einem begrenzten Raum gibt es kein unbegrenztes Wachstum. Jedes exponen-tiell wachsende System zerstört sich zwangsläufig selbst. Lassen Sie uns nun untersuchen, wie unser Geld gerade dabei ist, unsere Wirtschaft und unsere Kultur zu zerstören: An dem Beispiel der Kupfermünze des Judas haben Sie gesehen, dass Geld sich vermehrt, wenn es gut angelegt wird. Jeder hier im Saal, der Geld angelegt und es dabei nicht gerade dumm angestellt hat, wird das aus Erfahrung bestätigen. Es ist, wie wenn zwei Scheine, die in unserem Geldbeutel eng beieinander liegen, miteinander Sex haben und Junge kriegen. Vor 8.000 Jahren haben die Mesopotamier das Geld erfunden und damit den Turmbau zu Babel finanziert. Arkad ist nach einer Geschichte von George S. Clason der reichste Mann zwischen Euphrat und Tigris gewesen. Jedes Goldstück, das du sparst, soll er gesagt haben, ist ein Sklave, der für dich arbeitet. Und jede Kupfermünze, die dieser verdient, ist sein Kind, das ebenfalls für dich arbeitet. Sorge dafür, dass du dir eine ganze Armee goldener Sklaven anschaffst, die sich immer weiter vermehren. Aber nein, so ist es nicht. Zum Sex kommt es weder zwischen den Geldscheinen noch zwischen den "goldenen Sklaven", sondern ganz woanders. Das Geld vermehrt sich nicht dort, wo angelegt wird. Es vermehrt sich dort, wo ganz real produktiver gearbeitet wird. Und von dieser "Erhöhung des Sozialprodukts" müssen die, die es erarbeitet haben, denen, die es finanziert haben, einen Teil abgeben. Wie groß dieser Teil ist, bestimmen die Finanzmärkte. Und wie das funktioniert schauen wir uns auch an einem Beispiel an: Der Pharao hat Josef, den Sohn Jakobs, zum Regierungschef von Ägypten ernannt. Der Prophet Moses berichtet über Josefs Regierungsgeschäfte: Das Land Ägypten und Kanaan verschmachteten vor der Teuerung. Und Josef brachte alles Geld zusammen, das in Ägypten und Kanaan gefunden ward, um Getreide zu kaufen. Da es nun an Geld gebrach im Lande kamen alle zu Josef und sprachen: Warum lässt du uns vor dir sterben, darum, dass wir ohne Geld sind? Josef sprach: Schafft euer Vieh her, so will ich euch für das Vieh Brot geben, weil ihr ohne Geld seid. Da brachten sie Josef ihr Vieh und er gab ihnen Brot für ihre Pferde, Schafe, Rinder und Esel. Da das Jahr um war kamen sie zu ihm im zweiten Jahr und sprachen zu ihm: Nicht allein das Geld, sondern auch das Vieh ist dahin. Kaufe uns unser Land für Brot. Also verkauften die Ägypter ein jeglicher seinen Acker, denn die Teuerung war zu stark. Sie sprachen: Du hast uns am Leben erhalten; lass uns nur Gnade finden vor dir, unserm Herrn, so wollen wir gern dem Pharao leibeigen sein. Also machte Josef ihnen ein Gesetz bis auf diesen Tag. Und Josef starb, da er hundertundzehn Jahre alt war. Und sie salbten ihn, und legten ihn in eine Lade in Ägypten. Die meisten Bewohner der meisten Staaten dieser Erde würden ihre Regierungschefs heute auch salben, wenn sie ihnen nur Brot für ihr Vieh und ihr Land gäben. Die Mehrheit der Menschheit muss mit etwa zwei Euro pro Tag auskommen. Für jede Million Entwicklungshilfe, fließen zwei Millionen Zinszahlungen zurück in die Industrieländer - sofern der Kreditrahmen nicht um wenigstens einen Teil dieser fälligen Zahlungen erweitert wird. Das führt letztlich zur Rekolonisierung der Dritten Welt - eine von den Geldmärkten erzwungene moderne Form der Leibeigenschaft. Und dafür können - ganz so wie im alten Ägypten - die Überlebenden denen "dankbar" sein, die ihr Überleben finanzieren: Der Präsident des heutigen Ägypten - Mubarak - schätzt, dass der Schuldendienst allein der afrikanischen Länder in einem Jahrzehnt das Leben von 500 Millionen Menschen gekostet hat - die verhungert sind. Die armen Länder müssen die Zinsen in Devisen zahlen. Und weil sie nichts anderes gegen Devisen verkaufen können, bauen sie anstelle von Nahrungsmitteln Futtermittel für den Export an und lassen die Menschen sterben. Wir haben die Grenzen für das Geld geöffnet und schließen sie für die Opfer. Geld ist zu einer Massenvernichtungswaffe geworden. Die großen Banken der reichen Länder treiben bei notleidenden Krediten mittelständische Unternehmen in den Konkurs und lassen Einfamilienhäuser zwangsversteigern. Aber bis 1982 haben sie 800 Milliarden Dollar in die ärmsten Länder der Erde gepumpt; bis 1987 sogar 1.200 Milliarden Dollar. Ende September 1987 ist die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington. Dort regt Alfred Herrhausen - damals Chef der Deutschen Bank - einen weitgehenden Schuldenerlass an. Die Schuldenkrise der Dritten Welt verträgt kein Schweigen mehr, sagt er. Der Vorstoß löst in der "banking community" große Aufregung aus. Ein befreundeter Kollege rät Herrhausen: Nimm den nächsten Hubschrauber und verlasse Washington; du wirst hier abgeschossen. Im folgenden Jahr wird Herrhausen ermordet. Kurz danach hat er eine Rede in New York halten sollen, die schon vorbereitet war. Die New York Times druckt diese Rede am 7. Januar 1990 auszugsweise ab. Ich zitiere eine Passage aus der Herrhausen-Rede, die dort nicht veröffentlicht ist: Polen ... muss sich mit einer Auslandsverschuldung von vierzig Milliarden Dollar herumschlagen. Damit innere Reformen überhaupt Aussicht auf Erfolg haben, muss das Schuldenproblem sofort gelöst werden. Doch nun zu den reichen westlichen Ländern, wo die meisten von Ihnen leben: Sie wissen, die Industrialisierung hat in England begonnen. In der Schule habe ich noch gelernt, dass England deshalb die Welt erobern und beherrschen konnte. Ich sehe das heute anders: 1689 wird Wilhelm III. von Oranien König von England. Er führt Kriege gegen Frankreich, die viel Geld kosten. Um sie zu finanzieren, borgt er 1,25 Mio. Pfund zu folgenden Bedingungen:
Vier Jahre später hat sich die nationale Verschuldung Englands verdreizehnfacht. 200 Jahre später finanzieren die Eigentümer der Bank von England beide Seiten des amerikanischen Bürgerkriegs. Präsident Abraham Lincoln durchschaut das Spiel und weigert sich, die Zinsen zu zahlen. Kurz darauf wird er von John Wilkes Booth ermordet. Der Mörder wird aus dem Gefängnis befreit und übersiedelt nach England. Wenn Ihr die Sklaven der Bankiers bleiben und für die Kosten eurer eigenen Sklaverei bezahlen wollt, sagt Josiah Stamp, der einmal Gouverneur der Bank von England war, dann lasst sie (so) fortfahren. John F. Kennedy will das nicht und bereitet - was kaum bekannt ist - einen Eingriff in das Geldsystem der Federal Reserve (der Zentralbank der Vereinigten Staaten) vor. Er fährt in einem Wagen der Marke Lincoln, als er im Ölstaat Texas ermordet wird. Sein Nachfolger, Vizepräsident Lyndon B. Johnson, macht noch an Kennedys Todestag - am 22. November 1963 - die entsprechende Verfügung Kennedys rückgängig. Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, sagt Amschel Mayer Rothschild, und es ist mir gleichgültig, wer ihre Gesetze macht. Und der britische Premier Benjamin Disraeli ergänzt: Nun sehen Sie, dass die Welt von ganz anderen Persönlichkeiten regiert wird, als sich jene vorstellen, die nicht hinter die Kulissen schauen können. Die Regierungschefs unserer Länder kennen wir. Aber kennen wir auch die Pharaonen hinter ihnen? Im September 1992 spekuliert George Soros gegen das englische Pfund und die italienische Lira. Trotz des heftigen Widerstands aller europäischen Zentralbanken sprengt er das bis dahin erfolgreiche Europäische Währungssystem (das der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Präsident Giscard d'Estain geschaffen haben). Er erzwingt die Abwertung der englischen Währung und drückt Großbritannien und Italien aus dem Europäischen Währungssystem heraus. Das hat Soros innerhalb von wenigen Wochen viele Milliarden Dollar Gewinn eingebracht. 1995 verleiht der spätere Präsident der Europäischen Kommission, Professor Romano Prodi, Herrn Soros die Ehrendoktorwürde der Universität Bologna. Soros hat 1969 den erfolgreichsten Investmentfonds aller Zeiten gegründet. Wer damals dort 50.000 Dollar angelegt hat, gehört heute zu den Reichen der Welt: Aus den 50.000 Dollar sind in dreißig Jahren 150 Millionen Dollar geworden. Wenn wir die Ergebnisse in unserem ersten Vierteljahrhundert wiederholen könnten, hat Soros neulich gesagt, würden uns schließlich sämtliche Aktien der Welt gehören. Und nun die Frage aller Fragen: Woher kommen die Renditen, die Zinsen für diese gewaltigen Kapitalien, die sich nach den exponentiellen Gesetzen vermehren, welche wir vorhin bestaunt haben? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (die das weltweite Clearing zwischen den Banken abwickelt) gibt in ihrem letzten Jahresbericht die Antwort: Mit der für diese noble Institution üblichen Zurückhaltung spricht sie von einem historischen Höchststand der privatwirtschaftlichen Verschuldung. Unsere Mieten bestehen zu 70 % aus Zinsen. Die Preise der Güter und Dienstleistungen die wir kaufen, bestehen zu 40 % aus Zinsen. Diese Zinsen sind in die Preise einkalkuliert - zum Beispiel für die Finanzierung der Maschinen, mit denen die Jogurts abgefüllt werden oder für die Finanzierung der Werbung, mit denen Ihnen ein Mobiltelefon angeboten wird. Auch vom Höchststand der öffentlichen Verschuldung lesen wir fast täglich in der Zeitung: Jede vierte Steuermark zahlen wir direkt für die Zinsen - eine Folge der Verschuldung unserer Staaten und Gemeinden. Und von den Steuern, die nach diesen Zinszahlungen übrig bleiben, wird auch wieder etwa die Hälfte indirekt für Zinsen ausgegeben: beim Bau von Straßen und Kläranlagen; beim Verbrauch von Büromaterial und Energie - und bei Herrn Dr. Neugebauers wunderbarer Organisation des Symposiums, das uns heute hier zusammengeführt hat. Also zahlen wir ungefähr die Hälfte unseres Einkommens direkt oder indirekt für Zinsen. Jeder Euro Zinsen aber, der irgendwo einem Konto belastet wird, wirft einen Schatten: Irgendwo anders gibt es ein Konto, dem der gleiche Betrag gutgeschrieben wird. Jeder Schuldner hat einen Gläubiger, der an ihn glaubt. Das bedeutet, dass diejenigen, die mehr Zinsen zahlen als sie einnehmen, ununterbrochen verlieren. Und dass diejenigen, die mehr Zinsen einnehmen als sie zahlen, ununterbrochen gewinnen. Wenn Ihr Jahreseinkommen 40.000 Euro beträgt, gehören Sie nur dann zu den Gewinnern, wenn Sie mehr als 20.000 Euro Zinseinkünfte im Jahr haben. Sind es weniger, gehören Sie zu den Verlierern. Und weil es bei den Allermeisten zu solchen Zinseinkünften nicht reicht, muss deren reales Einkommen und Vermögen sinken. Bei den glücklichen Allerreichsten aber steigt es dafür - exponentiell, wie wir gesehen haben. Unser Geld macht sinnlich. Aber nur die obersten 2 % in der Einkommenspyramide.
Sinn-loses Geld Sehen Sie, was der Umverteilungsmechanismus zur Zeit bewirkt: Um 1960, also vor 40 Jahren, haben die reichsten 20 % der Bevölkerung in Mitteleuropa ungefähr 30mal so viel besessen wie die ärmsten 20 %. Heute besitzen sie 80mal so viel. In den Vereinigten Staaten ist es noch krasser: In den letzten 20 Jahren ist das Realeinkommen der Arbeitnehmer pro Stunde um mehr als 10 % gesunken. In der gleichen Zeit hat sich das Einkommen des reichsten Prozentsatzes der US-Bevölkerung verdoppelt. In Westdeutschland und Österreich ist die Lohnquote - der Anteil der Löhne und Gehälter am Sozialprodukt - seit 20 Jahren um ca. 20 % gesunken. Und das sind Löhne und Gehälter vor Steuern. Nach Steuern ist es noch krasser: Die Globalisierung zwingt alle Regierungen dazu, die Steuerlast von den großen Unternehmen auf die Mittel- und Unterschicht zu verlagern. Die "global players" können ihre Gewinne dort anfallen lassen, wo sie steuerlich nicht belastet werden. Staaten, die das nicht akzeptieren, verlieren Arbeitsplätze. Schlimmer noch: Arbeitsplätze entstehen nur dort, wo sie aus Steuermitteln subventioniert werden. Zum Steueraufkommen tragen die Unternehmen, die den Löwenanteil der Subventionen erhalten, nicht bei. Im globalen Standortwettbewerb der Regionen ist es üblich geworden, dass diese Subventionen die Investitionssummen übersteigen. Wir sozialisieren die unternehmerischen Risiken und kapitalisieren die unternehmerischen Chancen. Das ist einer der Gründe für die atem-beraubende "Fusionitis" und "Akquisitionitis" unserer großen Kapitalgesellschaften, die gerade um den Globus schwappt. Russland, die Ukraine, Brasilien, Argentinien und die Vereinigten Staaten sind reiche Länder. Aber es gibt dort kein soziales Netz, wie wir es in Mitteleuropa noch halten können. In diesen Ländern sehen Sie, was uns bevorsteht: der Absturz der breiten gebildeten und leistungskräftigen Mittelschicht auf ein menschenunwürdiges Niveau von Armut. Und Sie sehen auch die offenbar unvermeidliche Begleiterscheinung dieses Zerfalls: die Kriminalität. Aber selbst das ist erst der Vorhof der Hölle. Ich will Ihnen nun die dramatischste Konsequenz der zentralen Eigenschaft unseres Geldes vor Augen führen: die schwere Bestrafung langfristigen Denkens. Vor 30 Jahren habe ich einmal die Investitionsabteilung in einem der großen deutschen Chemieunternehmen geleitet. Ich will Ihnen erklären, wie wir die Investitionsentscheidungen vorbereitet haben. Und so wird überall gerechnet (unser Investitionsvolumen damals ist in Preisen von heute ungefähr eine Milliarde Euro pro Jahr gewesen): Wir berechnen die Ausgaben, die durch eine Investition entstehen (zum Beispiel eine neue Anlage oder in eine neue Fabrik). Diese Ausgaben würden nicht anfallen, wenn wir nicht investieren würden. Natürlich nicht nur für ein Jahr, sondern für die gesamte Nutzungsdauer. Und wir berechnen die Einnahmen, die diese Investition uns bringt und die es nicht gäbe, wenn wir nicht investieren würden. Natürlich auch für die gesamte Nutzungsdauer. Und dann bilden wir für jedes Jahr die Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben. Und nun passen Sie bitte gut auf. Jetzt wird es spannend: Natürlich ist es nicht das gleiche ob ich heute eine Million mehr habe oder ob ich in einem Jahr eine Million mehr habe. Das ist wie Äpfel und Birnen und wenn wir sie vergleichen wollen, müssen wir die Million in einem Jahr umrechnen auf den Wert von heute. Wir nennen das "abzinsen" (das Gegenteil von verzinsen). Wenn wir mit einen Zinssatz von 10 % rechnen, ist eine Million Euro in einem Jahr heute 910.000 Euro wert. Wenn ich heute 910.000 Euro mit 10 % anlege, habe ich in einem Jahr eine Million Euro. Eine Million Euro in zwei Jahren ist dann heute noch einmal zehn Prozent weniger wert, also 830.000 Euro. So können wir weiter rechnen: Eine Million in 10 Jahren ist 390.000 Euro wert. Eine Million in 100 Jahren ist 700 Euro wert. Und eine Million in 200 Jahren ist heute nur ganze drei Euro wert. Das ist - Sie haben es schon gemerkt - der umgekehrte Weg wie der mit der Kupfermünze des Judas. Aber was ist nun die Konsequenz für unsere Investitionsentscheidungen? Die Antwort ist einfach: Wir brauchen die Rechnung nur für gut zehn Jahre durchzuführen, weil das, was danach passiert, sich auf das Ergebnis kaum noch auswirkt. Die Antwort ist nicht nur einfach, sondern auch erschreckend: Was danach passiert, beeinflusst die Investitionsentscheidungen nicht mehr. Wenn ich damals eine Investition empfohlen hätte, weil sie langfristig sinnvoll ist, hätte ich meine Karriere riskiert (und die ist mir vor 30 Jahren noch wichtig gewesen). Wenn ein Vorstand sich für eine Investition entscheidet, die langfristig sinnvoll ist, verliert er seinen Job. Und wenn er ihn nicht verliert, wird seine Gesellschaft aufgekauft: Solche "Fehlentscheidungen" reduzieren den "Shareholder Value", also den heutigen potentiellen Kaufpreis des Unternehmens und machen es zu einem Übernahmekandidaten. Geld ist mächtiger als Weisheit. Ich will Ihnen die Brutalität dieser Kurzsichtigkeit an zwei Beispielen vorführen. Wegen des kurzen Zeithorizonts wird im ersten Beispiel etwas Vernünftiges unterlassen. Im zweiten Beispiel wird etwas Verhängnisvolles getan: Das erste Beispiel: Ingenieure von Thyssen und Siemens haben eine geniale Technologie entwickelt - die Magnetschwebebahn. Der Zug gleitet mit minimalem Energieverbrauch und mit einer Geschwindigkeit von über 500 km/h auf einem Magnetkissen dahin. Der innerkontinentale Flugverkehr würde dadurch weitgehend überflüssig. Mit 200 km/h über die Autobahn zu hetzen wäre uninteressant. Und die Hochgeschwindigkeitstrassen von ICE und TGV, auf denen die Züge 300 km/h fahren, würden zu Schleichwegen degradiert. Die Magnetschwebebahn wird nicht gebaut, weil die Vorlaufkosten und Investitionen am Anfang sehr hoch sind. Betriebswirtschaftlich fängt die Sache erst in zehn Jahren an interessant zu werden. Das zweite Beispiel: Österreich hat die weise Entscheidung getroffen, der Kernkraft abzuschwören und bezieht nun Strom aus slowakischen Kernkraftwerke sowjetischer Bauart. In Deutschland pokert die Energieindustrie gerade mit der Regierung um Restlaufzeiten. Kennen Sie den wirklichen "Rest" - den Abfall dieser Energieproduktion? Es ist Plutonium. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 20.000 Jahren. Das bedeutet: nach 20.000 Jahren ist die Hälfte der radioaktiven Substanzen verstrahlt, nach weiteren 20.000 Jahren vom Rest wieder die Hälfte und so weiter. Dieses Teufelszeug muss also länger als 100.000 Jahre sicher gelagert werden. Sicher gegen Erdbeben. Sicher gegen Überschwemmung. Sicher gegen Krieg. Sicher gegen Terroranschläge. Sicher gegen Erpressung. Sicher gegen Korruption. Sicher gegen schlampige Verwaltungen. Sicher gegen das Vergessen. 100.000 Jahre - wissen Sie, was das bedeutet? Der "Ötzi", der in Tirol gefunden worden ist, ist gerade einmal 5.000 Jahre alt. Und erst seit 8.000 Jahren gibt es überhaupt das Geld, als dessen Sklaven wir die Verbrechen an unserem Planeten begehen - und an unseren eigenen Nachkommen. Sehen Sie, was wir anrichten, wenn wir Folgelasten einfach abzinsen und unter den Tisch fallen lassen? Wir zerstören unseren Planeten als Lebensraum! Ich glaube, dass wir dazu kein Recht haben. Ich glaube, dass das Sünde ist. Dieses Geld ist sinnlos, denn es treibt uns auf einen Abgrund zu, wo künftige Generationen - wenn es sie denn noch gibt - fragen werden: "Warum waren sie alle blind?"
Sinn-volles Geld Stellen Sie sich einmal eine Welt vor, in der es keine Zinsen gibt. Die Preise wären schlagartig halbiert, die realen Einkommen der Arbeitnehmer vor Steuern wären schlagartig doppelt so hoch und nach Steuern sähe es noch besser aus: Die Steuern (Einkommen-, Mehrwert- und alle anderen Steuerarten) bräuchten nur noch die Hälfte betragen. Das klingt schon nach Schlaraffenland. Aber es wäre nur der Vorhof der Lust: Die ganz große "Bescherung" wäre das Ende der weltweiten Umverteilung von den Armen zu den Reichen. Diese Umverteilung von unten nach oben ist nur deshalb noch erträglich, weil die Wirtschaft wächst. Das Wachstum aber ist die Ursache der dramatischen ökologischen Schäden. Im reichen Teil Europas spüren wir diese Schäden schon. Trotzdem sind sie hier lächerlich gegenüber dem, was in den armen Ländern geschieht (doch das ist ein anderes Thema). Wir brauchen das wirtschaftliche Wachstum, um die exponentiell steigenden Zinsansprüche zu befriedigen. Wir brauchen das wirtschaftliche Wachstum ausschließlich, um die exponentiell steigenden Zinsansprüche zu befriedigen. Und wir brauchen es, um die Folgen der dadurch erzwungenen Umverteilung von unten nach oben für die Verlierer wenigstens ein bisschen erträglich zu machen. Sämtliche Religionen haben den Zins verboten und es ist erstaunlich, dass das in unserer globalen Zivilisation keinerlei Spuren hinterlässt. Das Zinsverbot im Judentum wird innerhalb der jüdischen Gemeinden auch befolgt. Du sollst nicht Zins nehmen noch Wucher, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, sagt der Prophet Moses. Auch das Christentum verbietet den Zins: Und Jesus ging zum Tempel und stieß um der Wechsler Tische und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben "Mein Haus soll ein Bethaus heißen'; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht" - so das Markus-Evangelium. Martin Luther sagt es am drastischsten: Der Zins ist ein in Wolle gefärbter Dieb und Mörder. Viele Päpste haben Leute, die Zins genommen haben, mit Kirchenbann bestraft. Neulich ist der Vatikan schriftlich gefragt worden, wie es denn heute um die Durchsetzung des Zinsverbots stehe. In der Antwort wird mitgeteilt, dass es im Vatikan heute niemanden mehr gibt, der zu dieser Frage kompetent Stellung nehmen kann. Der Islam ist bei der Durchsetzung des Zinsverbots am strengsten. Islamische Banken umgehen diese Bezeichnung konsequent und erfinden statt dessen allerlei "Gebühren". Da ich nicht korankundig bin, zitiere ich den Philosophen Khalil Gibran: Im Austausch der Gaben der Erde werdet ihr Fülle finden und gesättigt sein. Doch wenn der Austausch nicht in Liebe und Gerechtigkeit stattfindet, wird er einige zur Gier und andere zum Hunger führen. Duldet bei euren Tauschgeschäften nicht die mit leeren Händen, die ihre Versprechungen gegen eure Arbeit verkaufen möchten. Nun stellen Sie sich bitte vor, wir alle hier im Saal sind die Bischöfe des vatikanischen Konzils der Römischen Kirche. Wir haben die Aufgabe einen neuen Papst zu küren. Die hohen männlichen Würdenträger haben ganz ungeniert ihre Gespielinnen mitgebracht (deshalb sind so viele Damen dabei). Zunächst schaffen wir das Zölibat ab und dann wählen Sie mich zum Papst. Sofort nach meiner Wahl treffe ich mit den geistlichen Führern der anderen Konfessionen und Religionen zusammen. Gemeinsam besinnen wir uns auf das, was die heiligen Schriften aller Religionen zum Zins sagen - nämlich dass er verboten gehört. Der amerikanische Präsident, die Europäische Kommission und die Regierungen Japans und Chinas sind begeistert. Sie alle sichern ihre volle Unterstützung zu. Sie alle wollen mit der Synthese von Geld und Sinn Ernst machen: Der Heilige Stuhl und die Leitung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank sollen in Personalunion besetzt werden. Oberster Seelenhirte und oberster Geldhirte in einer Person und alle mächtigen Regierungen auf meiner Seite - meinen Sie, dann könnten wir den Zins , der soviel Unheil anrichtet , abschaffen? Nein, das könnten wir nicht: Erfinder, Unternehmer, Bauherren und Umweltsanierer bringen die Welt voran. Dafür brauchen sie Geld. Wer aber wird ihnen noch etwas leihen, wenn's als Anreiz keine Zinsen gibt? Unsere Wirtschaft würde kollabieren, genauso wie unser Körper kollabiert, wenn die Blutzirkulation plötzlich aussetzt. Die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten wäre die Folge - gemindert nur dadurch, dass das Zinsverbot durch einen schwarzen Geldmarkt natürlich unterlaufen würde. Im Chinesischen sind die Schriftzeichen für "Krise" und für "Chance" identisch. Wenn wir dieses Zeichen in einem chinesischen Text lesen, wissen wir gar nicht wie wir es übersetzen sollen. Aber das ist eigentlich nicht so wichtig. Denn die Weisheit dahinter gilt überall: In jeder Krise versteckt sich eine Chance. Schon oft in der Geschichte hat es Wirtschaftskrisen gegeben, weil das Geld nicht mehr zirkuliert ist. Entweder war zu wenig Geld da - also ein "Blutverlust", oder das Geld war wertlos und nutzlos - also eine "Blutvergiftung". Immer wenn das geschehen ist, haben die Menschen sich irgendwie durchgewurschtelt. Aber einige Male haben pfiffige Köpfe innovative Lösungen gefunden. Sie haben das verlorene Blut gespendet oder sie haben das vergiftete Blut gereinigt. Wenn wir uns diese Beispiele anschauen, erkennen wir die Lösung auch unseres Problems. Dann sehen wir, wie wir sinnloses in sinnvolles Geld verwandeln können. Dann sehen wir, wie wir - als Rumpelstilzchens findige Schüler - tatsächlich Stroh zu Gold spinnen können. Die Sumerer haben den Schekel erfunden (Israel benutzt dieses Wort heute für seine Währung). "Sche" bedeutet Weizen und "Kel" ist ein Maß für 16_ Gramm - soviel wie eine Kelle fasst. Mit Münzen im Wert eines Schekels Weizen werden die schönen Priesterinnen im Tempel der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte bezahlt - für den heiligen Geschlechtsverkehr. So brauchen die Männer den Weizen nicht in den Tempel bringen. Wenn der Weizen alt ist und verdirbt, werden die Schekel auch alt und verderben. Und wenn er alle ist, sind die Schekel wertlos, denn für die nächste Ernte werden neue geprägt. Der Schekel vereinfacht den Tausch. Aufzubewahren ist er nicht besser und nicht schlechter als Weizen. Staunen Sie nun bitte, über das, was die sumerische Hochkultur mit diesem Geld geschaffen hat: Babylon - mit seinen prachtvollen Tempeln, weitläufigen künstlich angelegten Kanälen und hängenden Gärten - für Jahrtausende die schönste und reichste Stadt der Welt. Die Stadtmauern sind so hoch wie ein fünfzehnstöckiges Hochhaus und oben fahren Wagen mit sechs Pferden. Diese Festung wird trotz vieler Versuche nie von Eroberern eingenommen. Auch der Aufstieg Griechenlands hat einen geldpolitischen Grund: Dem spartanischen Staatsmann Lykurg verdanken die Spartaner den Ruf, spartanisch zu sein. Um zu sparen führt Lykurg Münzen aus Eisen ein. Rostschutz gibt noch nicht und das bedeutet, dass die Münzen im damals feuchten Mittelmeerklima verrosten. Das Geld veraltet und verdirbt also genauso wie die Dinge, die es dafür zu kaufen gibt. Wie wollen Sie aus rostendem Material ein Geldvermögen aufbauen und vererben? Jetzt bestaunen Sie bitte, was die griechische Hochkultur mit diesem Geld geschaffen hat: die Baukunst des römischen Reiches, sowie die Grundlagen der modernen Philosophie, der Mathematik, der Astronomie, der Physik und - der Demokratie. Auch der Aufstieg Roms ist geldpolitisch zu erklären. Ebenso sein Untergang. Unsere germanischen Vorfahren - heute würden wir sie Terroristen nennen - haben die Weltmacht nicht in die Knie gezwungen. Und auch nicht der Sittenverfall, wie viele meinen. Sie haben es doch gerade gehört: die Sumerer haben das älteste Gewerbe im Tempel kultiviert und das hat die Wirtschaft inspiriert. Die Christen brauchen dafür die Prostitution. Das ist der Frauen nicht würdig; der Wirtschaft ist es egal. Jahrtausende nach dem Zerfall des Römischen Reiches wird Europa aus dem mittelalterlichen "Winterschlaf" erweckt. Und auch das ist die Folge einer geldpolitischen Innovation: Die Stauferkönige wissen nicht, wie sie ihren Haushalt finanzieren sollen. Im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Herrschern sind sie arm, aber listig. Sie führen die "Brakteaten" ein - aus dünnem Blech einseitig geprägte Münzen. Diese Münzen werden jährlich "verrufen" - für ungültig erklärt. Mit einem "Abschlag" von 20 % können sie dann gegen die neuen gültigen Münzen umgetauscht werden. Mit dem Abschlag finanzieren die Könige den Staatshaushalt. Und weil das so einfach ist, machen die meisten europäischen Herrscher zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert es ihnen nach. Nun staunen Sie bitte wieder über die Folgen dieser geldpolitischen Innovation:
Es ist eine Zeit, die überquillt vor triefendem Hochgenuss. Wie fast jedes Mal vorher wird auch diese Blütezeit durch geldpolitische Dummheiten beendet. Auch die späteren Weltkriege hängen mit Fehlern derer zusammen, die für das Geld verantwortlich sind; die große Wirtschaftskrise, die 1929 beginnt, wird von der amerikanischen Notenbank ausgelöst. Ich weiß es aus den Erzählungen meiner Großeltern: alle sind sie Millionäre gewesen und zu Milliardären und Billionären geworden. Die Arbeitslosigkeit grassiert wie die Pest und es gibt nichts mehr zu kaufen. In Wörgl in Tirol und Umgebung sind 1.500 Menschen arbeitslos und 200 Familien absolut mittellos. Wörgl hat damals 4.300 Einwohnern. Bürgermeister Michael Unterguggenberger sagt sich, warum sollen Leute, die arbeiten wollen und können das nicht tun, nur weil es an Geld fehlt, sie zu bezahlen. In einem Buch von Silvio Gesell hat er gelesen, was er tun kann: Er gibt "Arbeitswertscheine" aus, die auf den gleichen Betrag in Schilling lauten. Deshalb werden sie von den Wörglern als gleichwertig anerkannt. Die Scheine müssen an jedem Monatsende mit einer Wertmarke als Nutzungsgebühr beklebt werden. Mit den ersten Scheinen, die er ausgibt, bezahlt er die Arbeiter, die die Kanalisation bauen. Um die Nutzungsgebühr zu sparen, geben sie die Scheine schnell beim Bäcker aus und kaufen Brot. Der Bäcker will die Gebühr auch nicht zahlen und gibt sie schnell dem Tischler, der seine Fenster erneuert. Der bringt sie zum Metzger für Wurst und der zum Schmied für ein neues Hoftor. Vor lauter Sparsamkeit zahlen die Bürger die Gemeindesteuer im voraus. Damit lässt Unterguggenberger die Straße pflastern. Das löst einen neuen Kreislauf aus. Wörgl hat Vollbeschäftigung und bekommt eine ordentliche Infrastruktur. Das Experiment ist so erfolgreich, dass es Nachahmer in anderen Gemeinden findet. Der französische Ministerpräsident Édouard Daladier besucht den Ort persönlich. Die Finanzexperten allerdings erklären Unterguggenbergers Experiment für groben Unfug. Die österreichische Zentralbank setzt bei der Regierung durch, dass es verboten wird. Unterguggenberger geht vor Gericht. Vor dem Verwaltungsgerichtshof in Wien verliert er und wird entlassen. Die Scheine sind bis dahin im Durchschnitt insgesamt 416mal zirkuliert und haben Werte erzeugt, die heute 4,6 Millionen Euro entsprechen. Nach dem Verbot kehrt Wörgl zur Landeswährung zurück, zur hohen Arbeitslosigkeit und zu schrecklichem sozialen Elend. Die Lehre aus all diesen Beispielen ist einfach: Geld schafft Arbeitsplätze, sobald es keine Zinsen abwerfen muss. Warum? Erstens weil dann plötzlich auch die langfristigsten Investitionen rentabel werden und verwirklicht werden können. Und zweitens weil dann sogar Investitionen durchgeführt werden, die bis dahin unter den Tisch gefallen sind, weil ihre Rentabilität zu niedrig ist. Es fehlt doch nirgendwo an Arbeit. Es fehlt immer nur am Geld, sie zu bezahlen. Geld, das Zinsen frisst, kann nur für kurzfristig vorteilhafte Dinge ausgegeben werden und nur für Investitionen, die einen sehr hohen Vorteil haben. Das aber sind nicht viele. Und warum kommen die Schekel, Eisenmünzen, Brakteaten und Arbeitswertscheine ohne Zins aus? Auch das ist sehr einfach: Sie verrosten wie Ihr Fahrrad, sie verfaulen wie Ihre Kartoffeln, sie werden unmodern wie Ihr Jackett, sie werden schal wie Ihr Bier, sie veralten wie Ihr Computer. Mit anderen Worten: sie sind zur Aufbewahrung ungeeignet. Dieses Geld ist ein simples praktisches Tauschinstrument - mehr nicht. Das aber hat eine wunderbare Konsequenz: Wenn Sie 20.000 Euro übrig haben, schmelzen die ohne jede Inflation ständig weg. Ein neues Auto brauchen Sie aber gerade nicht. Kein Problem: Sie leihen Ihr Geld gern jemandem aus, der Ihnen dafür in drei Jahren, wenn Sie es brauchen, das neue Auto kauft. Dann haben Sie nichts verloren. Sie werden es zinslos verleihen - und alle anderen werden das auch tun.
Sie haben gesehen, meine Damen und Herren, mit sinnvollem Geld werden die folgenden Probleme auf einen Schlag gelöst:
Und ein fünftes Problem wird bei dieser Gelegenheit gleich mitgelöst (ich will den Zusammenhang nur andeuten): das Problem der meisten Kriege. Kriege vernichten Kapitalüberschüsse auf Kosten der Steuerzahler; dadurch werden die Zinsen nicht gefährdet. Kriege werden also in periodischen Abständen gebraucht, damit der Zinsmechanismus erhalten bleiben kann. All diese Probleme sind das Ergebnis eines einzigen Irrtums: des Irrtums vom sinnlosen Geld. Wenn wir es durch sinnvolles Geld ersetzen, lösen sich die Probleme auf, ohne dass es noch zusätzlicher Anstrengungen oder Entscheidungen bedarf. Wenn es gelingt, sinnvolles Geld vor dem großen Crash einzuführen, auf den wir zusteuern, behalten die Reichen ihr Vermögen, was wir uns gönnen. Wenn das nicht gelingt, verlieren sie es, wovon niemand einen Vorteil hätte. Aber Sie jedenfalls wissen jetzt, wie das Geld, das danach kommt, beschaffen sein sollte. Das Beispiel von Wörgl kann in einer blühenden Wirtschaft, wie wir sie heute haben, wohl nicht nachgeahmt werden. Dieses Beispiel braucht eine Krise. Wir brauchen aber keine Krise, um sinnvolles Geld einzuführen: Die OECD, eine andere internationale Organisation, eine politische oder private Stiftung kann ein Projekt mit sinnvollem - neutralem" - Geld in einem Währungsraum technisch vorbereiten und finanzieren. Ein noch wenig in die Weltwirtschaft integrierter Staat kann sich dafür bewerben. In Frage kommen zum Beispiel Länder wie Vietnam, der Iran, die Türkei, die Ukraine, Ägypten, Südafrika, Brasilien, Peru und andere. Der schnelle Erfolg wird dann einen Dominoeffekt auslösen und auch große Länder wie Russland, China oder Indien veranlassen neutrales Geld einzuführen - und schließlich auch die Europäische Zentralbank in der Euro-Zone. Und damit öffnen wir das Tor zum Himmel auf Erden. Was in unserem Bewusstsein nicht als Möglichkeit vorhanden ist, kann nicht geschehen. Die Erde wird den Himmel spiegeln oder die Hölle. Es ist unsere Entscheidung. Geld ohne Sinn zerstört unseren Planeten und uns mit ihm. Geld mit Sinn verwandelt ihn in ein Paradies. |
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